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Medien und demokratisches Selbstbewusstsein seit 1968

Donnerstag, 5. Juli 2018 - 17:00
Augustinum
Eintrittspreis: 0.00€
Vortrag von Klaus Wolschner
 
„1968“ hat die Bundesrepublik Deutschland bis heute spürbar verändert - insbesondere die Studentenbewegung. Dass ein paar hundert Studenten auf die Straße gehen und behaupten sie wissen besser als die Regierungen der USA und der Bonner Republik, wie die Weltpolitik zum Beispiel im Falle Vietnam aussehen müsste, das war neu und sensationell.
 
Das wurde anfangs als „Argumente der Straße“ abgetan, „außerparlamentarisch“ bedeutete anfangs: ohne demokratische Legitimation. Die Studenten brauchten aber keine etablierten Verbände oder Parteivertretungen als Legitimation – sie konnten sich durch die Medien artikulieren. Die Zeitungen und das Fernsehen berichteten nicht mehr nur, was Parteien und Verbände mitzuteilen hatten, sondern auch das, was wild auf der Straße skandiert wurde.
 
Für die Geschichte der Bundesrepublik bedeutet die mediale Aufmerksamkeit für unorganisierte Meinungen einen wichtigen Meilenstein innerer Demokratisierung. Das hatte selbst Willy Brandt noch nicht begriffen, als er sein „mehr Demokratie wagen“ 1969 auf die Verbände bezog und nicht auf unorganisierte Bürger-Initiativen. 
 
Der Medienwissenschaftler Klaus Wolschner ist einer der Mitgründer und langjähriger Redakteur der taz. die tageszeitung. In seinem Vortrag bezieht er die Entwicklungen von 1968 auf die aktuelle Medienentwicklung. Mit den elektronischen Medien können sich inzwischen tausende von Menschen in ihrer Meinungsbildung koordinieren, ohne dafür Demonstrationen veranstalten zu müssen. Die Verbände und die tradierten Medien-Institutionen werden am Rand überholt, Meinungsbildung findet ohne sie statt. Verärgert sprechen sie von „Populismus“.